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Monika Gentz |
Leseproben: für Kids (Jugendbuch)
"Silberstern" (Kindergeschichte)
"Sophie!"
"Sophiiiiiie!"
"Sophie, was machst du? Hörst du nicht?"
Mamas Stimme hallt immer wieder durch das Haus.
Immer lauter und immer ärgerlicher wurde sie.
Sophie aber saß auf dem Sims am Fenster ihres
Kinderzimmers und sah durch die Scheibe dem Regen draußen zu.
Nein, Sophie hörte nichts.... überhaupt nichts. Sophie hätte
nicht mal bemerkt, wenn ihr ein Elefant ins Ohr trompetet hätte.
Aber zum Glück gab es hier im dritten Stock des Wohnhauses in
der Luisenstrasse sowieso keine Elefanten. Jedenfalls hatte noch
niemand hier einen gesehen. Am wenigsten aber hätte Sophie einen
Elefanten wahrgenommen, denn mit ihren Gedanken war Sophie ganz,
ganz weit weg...
.......
Sophie sah eine große, saftig grüne Wiese vor
sich. Ein Meer von Gänseblümchen stand zwischen den Grashalmen
und tauchte die Täler und Hügel in weiß- gelb- grüne Farbklekse
auf. Die Luft roch nach frischen Blüten. Schmetterlinge und
Bienen tanzten durch die Sonnenstrahlen am wolkenlos blauen
Himmel.
Dort hinten auf der Wiese standen zwei große
Apfelbäume. Etwa soweit von Sophie weg, soweit sie mit aller
Kraft hätte einen Ball werfen können. Und Sophie konnte ziemlich
weit werfen!
Zwischen den Bäumen stand ganz ruhig ein......
Pferd.
Sophie schaute das Pferd an.
Und das Pferd schaute Sophie an.
Langsam ging Sophie auf das Pferd zu.
Ganz langsam, denn sie wollte es ja nicht
erschrecken oder gar verjagen.
Das Pferd war fast ganz weiß. Ein Schimmel,
wusste Sophie.
Nur auf der Stirn hatte es einen kleinen grauen
Stern.
Aus großen dunklen Augen schaute es Sophie
entgegen. Ganz still stand es da und wartete.
Sophie kam langsam an das Pferd heran. Als sie
ihre Hand ausstreckte, stupste das Pferd mit der Nase gegen
Sophie`s Finger und schnaupte laut.
"Hihi, dass kitzelt!" lachte Sophie.
Sie streichelte über das Gesicht und das Fell des
Pferdes. Seidenweich fühlte es sich an. Unter dem Fell konnte
Sophie die warme, weiche Haut spüren.
"Ich nenne dich Silberstern," sagte Sophie.
Der Name schien ihm zu gefallen und mit leisem
Wiehern stupste es Sophie an der Schulter an als wollte es
sagen:
"Komm- los- lass uns spielen!"
Sophie kletterte auf Silberstern`s Rücken und
ließ sich von ihm über die Gänseblümchenwiese tragen.
Wunderbar gleichmäßig schaukelte sie auf
Silberstern`s Rücken, wie in einem Boot auf dem Wasser. Hin und
her, von rechts nach links.
Sophie legte ihren Kopf auf die Pferdemähne und
streichelte mit beiden Händen rechts und links am Pferdehals
entlang. Silberstern schnaupte. Sophie war sich sicher, dass es
ihm gefiel. Ganz entspannt lag Sophie auf dem Pferderücken und
ließ ihre Beine den Pferdebauch hinunter baumeln.
"Ach Silberstern, " seufzte Sophie, "ich wünsche
mir so lange schon ein Pferd wie dich."
Silberstern hob den Kopf und wieherte laut. Das
Pferd machte plötzlich einen Satz und rannte los.
Erschrocken griff Sophie mit beiden Händen nach
der Mähne und klammerte sich fest.
"Halt, Silberstern, halt!" rief sie aufgeregt.
"Brrrr.......... haaalt!"
Silberstern gallopierte mit Sophie auf seinem
Rücken kreuz und quer über die Wiese. Plötzlich sah Sophie ein
Glitzern zwischen den Grashalmen.....
Wasser!
Die Sonnenstrahlen spiegelten sich darauf.
Silberstern hatte das Wasser ebenfalls gesehen. Als er mit einem
großen Satz über den kleinen Bach sprang, wäre Sophie fast von
seinem Rücken geflogen. Mit Armen und Beinen konnte sie sich im
letzten Moment am Pferd festklammern.
"Puh!" stöhnte Sophie als sie beide den Sprung
geschafft hatten. Silberstern wurde langsamer. Als er endlich
stehen blieb, rutschte Sophie von seinem Rücken herrunter in das
weiche Gras. Einen Moment blieb sie liegen und blickte in den
sonnigen blauen Himmel. Silberstern schnupperte an ihrem
Gesicht. Sophie spürte seine weiche Nase und Silbersterns
Nüsternhäärchen kitzelten sie an der Wange.
"Du bist ein ganz tolles Pferd und mein bester
Freund," sagte Sophie zu Silberstern.
Sophie stand auf, ging zu einem der Bäume auf der
Wiese und pflückte einen Apfel für Silberstern.
"Hey, du kannst es wohl nicht abwarten!" lachte
Sophie.
Sie spürte, dass jemand sie an ihrem Pullover
zog- genau an ihrer rechten Schulter.
"Was kann ich nicht abwarten, Sophie?" fragte
eine Stimme.
Die Stimme gehörte Sophies Mama. Sie stand neben
ihr und zupfte an Sophie`s Pullover.
"Ich rufe schon seit Minuten nach dir. Komm von
der Fensterbank herrunter und zieh dich an. Wir müssen zu Oma!"
sagte Mama, drehte sich von Sophie weg und ging Richtung Tür.
"Und bitte, trödel nicht rum! Es wird höchste
Zeit!"
Sophie saß noch immer auf dem Sims. Außen am
Fenster rannen dicke Regentropfen über die Scheibe und
hinterließen Spuren wie kleine Regenwasserwürmer auf dem Glas.
Sophie saß da und schaute auf den Apfel in ihrer
Hand, Neben ihr auf dem Fenstersims stand ein kleines Pferd. Nur
wenige Zentimeter war es groß. Sein Fell war blütenweiß. Nur auf
der Stirn hatte es einen kleinen grauen Stern.
Sophie nahm das Pferd in ihre Hand und
betrachtete es erstaunt.
Da......
Sophie war sich sicher- ganz sicher:
Das Pferd hatte ihr zugeblinzelt.
(Eine Geschichte, die Mut machen soll, an
Träume, Ziele und die Kraft in uns selbst zu glauben- auch, wenn
man sie nur in kleinen Schritten erreicht. Geschrieben für meine
Tochter anno 2008)
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