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Monika Gentz

Leseproben: für Kids (Jugendbuch)

 

".....
Die Musik hämmert aus den Lautsprechern. Im Rhythmus bebt mein Trommelfell, hart fährt mir der Bass in den Magen.
Ich sehe ihn auf der Bühne.
Wie ein Heiligenschein umringt ihn die Lichterflut der Scheinwerfer.
Wild wehen die langen Haare um sein Gesicht.
Er sieht die tosende Menge nicht, ist gefangen im Bann seiner Musik.
Musik ist sein Leben, seine Geliebte....
Nur ihr gibt er sich ganz hin.
Die Melodie trägt seine Stimme. Meine Ohren saugen diese Stimme in meinen Kopf.
Eine männliche, angenehme Stimme.
Seine Augen sind der Welt entrückt.
Sein Gesicht spiegelt den Text wieder.
Er singt nicht- nein- er fühlt, lebt jedes Wort seines Gesangs.
Augen, blau- unendliches Blau- wie ein unendlich tiefer See, in den ich eintauche....
weitentrückt.... wie der Himmel....
Lange, schlanke Finger liebkosen die Saiten der Gitarre. Flink und bestimmend.
Ein schwarzes Lederband um das schlanke Handgelenk. Markant zeichnen sich die Adern unter seiner Haut ab.
Schweißtropfen schimmern auf seiner Stirn. Laufen sachte über seine Wangen, den Hals entlang....
Silbern bricht sich das Licht der Scheinwerfer in darin.
Oh, könnte ich doch einer dieser Schweißtropfen sein und mich langsam über seine Haut tasten...."


"Silberstern" (Kindergeschichte)
 
"Sophie!"
"Sophiiiiiie!"
"Sophie, was machst du? Hörst du nicht?"
Mamas Stimme hallt immer wieder durch das Haus. Immer lauter und immer ärgerlicher wurde sie.
Sophie aber saß auf dem Sims am Fenster ihres Kinderzimmers und sah durch die Scheibe dem Regen draußen zu. Nein, Sophie hörte nichts.... überhaupt nichts. Sophie hätte nicht mal bemerkt, wenn ihr ein Elefant ins Ohr trompetet hätte. Aber zum Glück gab es hier im dritten Stock des Wohnhauses in der Luisenstrasse sowieso keine Elefanten. Jedenfalls hatte noch niemand hier einen gesehen. Am wenigsten aber hätte Sophie einen Elefanten wahrgenommen, denn mit ihren Gedanken war Sophie ganz, ganz weit weg...
.......
Sophie sah eine große, saftig grüne Wiese vor sich. Ein Meer von Gänseblümchen stand zwischen den Grashalmen und tauchte die Täler und Hügel in weiß- gelb- grüne Farbklekse auf. Die Luft roch nach frischen Blüten. Schmetterlinge und Bienen tanzten durch die Sonnenstrahlen am wolkenlos blauen Himmel.
Dort hinten auf der Wiese standen zwei große Apfelbäume. Etwa soweit von Sophie weg, soweit sie mit aller Kraft hätte einen Ball werfen können. Und Sophie konnte ziemlich weit werfen!
Zwischen den Bäumen stand ganz ruhig ein...... Pferd.
Sophie schaute das Pferd an.
Und das Pferd schaute Sophie an.
Langsam ging Sophie auf das Pferd zu.
Ganz langsam, denn sie wollte es ja nicht erschrecken oder gar verjagen.
Das Pferd war fast ganz weiß. Ein Schimmel, wusste Sophie.
Nur auf der Stirn hatte es einen kleinen grauen Stern.
Aus großen dunklen Augen schaute es Sophie entgegen. Ganz still stand es da und wartete.
Sophie kam langsam an das Pferd heran. Als sie ihre Hand ausstreckte, stupste das Pferd mit der Nase gegen Sophie`s Finger und schnaupte laut.
"Hihi, dass kitzelt!" lachte Sophie.
Sie streichelte über das Gesicht und das Fell des Pferdes. Seidenweich fühlte es sich an. Unter dem Fell konnte Sophie die warme, weiche Haut spüren.
"Ich nenne dich Silberstern," sagte Sophie.
Der Name schien ihm zu gefallen und mit leisem Wiehern stupste es Sophie an der Schulter an als wollte es sagen:
"Komm- los- lass uns spielen!"
Sophie kletterte auf Silberstern`s Rücken und ließ sich von ihm über die Gänseblümchenwiese tragen.
Wunderbar gleichmäßig schaukelte sie auf Silberstern`s Rücken, wie in einem Boot auf dem Wasser. Hin und her, von rechts nach links.
Sophie legte ihren Kopf auf die Pferdemähne und streichelte mit beiden Händen rechts und links am Pferdehals entlang. Silberstern schnaupte. Sophie war sich sicher, dass es ihm gefiel. Ganz entspannt lag Sophie auf dem Pferderücken und ließ ihre Beine den Pferdebauch hinunter baumeln.
"Ach Silberstern, " seufzte Sophie, "ich wünsche mir so lange schon ein Pferd wie dich."
Silberstern hob den Kopf und wieherte laut. Das Pferd machte plötzlich einen Satz und rannte los.
Erschrocken griff Sophie mit beiden Händen nach der Mähne und klammerte sich fest.
"Halt, Silberstern, halt!" rief sie aufgeregt.
"Brrrr.......... haaalt!"
Silberstern gallopierte mit Sophie auf seinem Rücken kreuz und quer über die Wiese. Plötzlich sah Sophie ein Glitzern zwischen den Grashalmen.....
Wasser!
Die Sonnenstrahlen spiegelten sich darauf. Silberstern hatte das Wasser ebenfalls gesehen. Als er mit einem großen Satz über den kleinen Bach sprang, wäre Sophie fast von seinem Rücken geflogen. Mit Armen und Beinen konnte sie sich im letzten Moment am Pferd festklammern.
"Puh!" stöhnte Sophie als sie beide den Sprung geschafft hatten. Silberstern wurde langsamer. Als er endlich stehen blieb, rutschte Sophie von seinem Rücken herrunter in das weiche Gras. Einen Moment blieb sie liegen und blickte in den sonnigen blauen Himmel. Silberstern schnupperte an ihrem Gesicht. Sophie spürte seine weiche Nase und Silbersterns Nüsternhäärchen kitzelten sie an der Wange.
"Du bist ein ganz tolles Pferd und mein bester Freund," sagte Sophie zu Silberstern.
Sophie stand auf, ging zu einem der Bäume auf der Wiese und pflückte einen Apfel für Silberstern.
"Hey, du kannst es wohl nicht abwarten!" lachte Sophie.
Sie spürte, dass jemand sie an ihrem Pullover zog- genau an ihrer rechten Schulter.
"Was kann ich nicht abwarten, Sophie?" fragte eine Stimme.
Die Stimme gehörte Sophies Mama. Sie stand neben ihr und zupfte an Sophie`s Pullover.
"Ich rufe schon seit Minuten nach dir. Komm von der Fensterbank herrunter und zieh dich an. Wir müssen zu Oma!" sagte Mama, drehte sich von Sophie weg und ging Richtung Tür.
"Und bitte, trödel nicht rum! Es wird höchste Zeit!"
Sophie saß noch immer auf dem Sims. Außen am Fenster rannen dicke Regentropfen über die Scheibe und hinterließen Spuren wie kleine Regenwasserwürmer auf dem Glas.
Sophie saß da und schaute auf den Apfel in ihrer Hand, Neben ihr auf dem Fenstersims stand ein kleines Pferd. Nur wenige Zentimeter war es groß. Sein Fell war blütenweiß. Nur auf der Stirn hatte es einen kleinen grauen Stern.
Sophie nahm das Pferd in ihre Hand und betrachtete es erstaunt.
Da......
Sophie war sich sicher- ganz sicher:
Das Pferd hatte ihr zugeblinzelt.
 
(Eine Geschichte, die Mut machen soll, an Träume, Ziele und die Kraft in uns selbst zu glauben- auch, wenn man sie nur in kleinen Schritten erreicht. Geschrieben für meine Tochter anno 2008)

 

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